Weiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit: So lernen Sie berufsbegleitend in Österreich

Aktualisiert: 2026-10-26
Weiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit: So lernen Sie berufsbegleitend in Österreich

Wer sich weiterbilden möchte, ohne das Arbeitsverhältnis aufzugeben, kann in Österreich zwischen zwei Modellen wählen: der Weiterbildungszeit und der Weiterbildungsteilzeit. Sie ersetzen die früheren Modelle Bildungskarenz und Bildungsteilzeit. Im Folgenden finden Sie die für 2026 geltenden Regeln.

Das Wichtigste auf einen Blick

Wer kann die Unterstützung erhalten?

Zum Zeitpunkt der Antragstellung müssen Sie seit mindestens zwölf Monaten ununterbrochen bei Ihrem derzeitigen österreichischen Arbeitgeber beschäftigt sein. Das Arbeitsverhältnis muss voll entlohnt und vollversicherungspflichtig sein.

Zusätzlich gelten folgende Regeln:

Auch Beschäftigte in Saisonbetrieben können eine entsprechende Vereinbarung abschließen, sofern sie die genannten Voraussetzungen erfüllen.

Welche Möglichkeit passt zu Ihnen?

Weiterbildungszeit

Während der Weiterbildungszeit bleibt Ihr Arbeitsverhältnis bestehen, Sie arbeiten jedoch vorübergehend überhaupt nicht. Für diesen Zeitraum erhalten Sie kein Gehalt vom Arbeitgeber. Die AMS-Unterstützung heißt Weiterbildungsbeihilfe.

Weiterbildungsteilzeit

Bei der Weiterbildungsteilzeit arbeiten Sie weiterhin, reduzieren aber Ihre Arbeitszeit und verwenden die frei werdende Zeit für eine Weiterbildung. Die Unterstützung des AMS heißt Weiterbildungsteilzeitbeihilfe.

Dauer und Ausmaß der Arbeitszeit

Bei der Weiterbildungszeit beginnt die vierjährige Rahmenfrist mit dem letzten Beginn einer Weiterbildungszeit. Innerhalb dieser Rahmenfrist können die beiden Modelle grundsätzlich nicht kombiniert werden. Eine Ausnahme ist möglich, wenn die gesamte Dauer noch nicht ausgeschöpft wurde: Dann können Sie einmal in das jeweils andere Modell wechseln. Dafür gilt ein gesetzlicher Umrechnungsschlüssel von 1:2. Nach dem Wechsel kann innerhalb der laufenden Rahmenfrist keine neue Vereinbarung im ursprünglichen Modell abgeschlossen werden.

Bei einem anderen Arbeitgeber dürfen Sie höchstens im Ausmaß einer geringfügigen Beschäftigung arbeiten.

Welche Weiterbildungen werden gefördert?

Gefördert werden Weiterbildungen, die für den Arbeitsmarkt nützlich sind und auch außerhalb des derzeitigen Unternehmens verwertbar sind (überbetriebliche Verwertbarkeit).

Bei einer modularen Ausbildung muss ein Modul bei vollständiger Freistellung mindestens 2 Monate und bei Weiterbildungsteilzeit mindestens 4 Monate dauern. Das Ausbildungsziel muss im Bildungsplan festgehalten werden.

Wie wird die Vereinbarung mit dem Arbeitgeber abgeschlossen?

Die Vereinbarung muss immer schriftlich abgeschlossen werden. Sie muss unter anderem folgende Angaben enthalten:

Bei den Verhandlungen müssen sowohl Ihre Interessen als auch die betrieblichen Erfordernisse berücksichtigt werden. Gibt es einen Betriebsrat, muss dieser auf Ihren Wunsch in die Verhandlungen einbezogen werden.

Eine Vereinbarung über Weiterbildungsteilzeit kann frühestens am Tag nach der Zustellung der AMS-Mitteilung über die Zuerkennung der Unterstützung beginnen. Sie müssen Ihren Arbeitgeber unverzüglich über die AMS-Entscheidung informieren – unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ ausfällt.

Wo wird der Antrag gestellt?

Zuständig ist das AMS an Ihrem Hauptwohnsitz. Dort müssen Sie die jeweilige Unterstützung beantragen.

Den Fortschritt der Weiterbildung müssen Sie nach jedem Modul, mindestens jedoch alle sechs Monate sowie am Ende des Unterstützungszeitraums nachweisen. Möglich sind:

Häufige Fragen

Muss der Arbeitgeber zustimmen?

Ja. Beide Modelle beruhen auf einer Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Eine gemeinsame Entscheidung ist daher erforderlich.

Darf ich währenddessen bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten?

Ja, allerdings höchstens im Ausmaß einer geringfügigen Beschäftigung.

Kann ich die Weiterbildung in mehrere Abschnitte aufteilen?

Ja. Bei der Weiterbildungszeit muss jeder Abschnitt mindestens 2 Monate dauern, insgesamt sind höchstens 1 Jahr möglich. Bei der Weiterbildungsteilzeit muss jeder Abschnitt mindestens 4 Monate dauern, insgesamt höchstens 2 Jahre innerhalb der vierjährigen Rahmenfrist.

Wann kann die Weiterbildungsteilzeit beginnen?

Frühestens am Tag nach der Zustellung der AMS-Mitteilung über die Zuerkennung der Unterstützung.

Praktische Schritte

  1. Prüfen Sie, ob Sie die erforderlichen Beschäftigungs- und Versicherungszeiten erfüllen.
  2. Wählen Sie zwischen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit und prüfen Sie Dauer, Stundenumfang und Ausbildungsziel.
  3. Klären Sie die Weiterbildung mit Ihrem Arbeitgeber und schließen Sie eine schriftliche Vereinbarung ab.
  4. Beziehen Sie auf Wunsch den Betriebsrat in die Verhandlungen ein.
  5. Stellen Sie den Antrag auf Weiterbildungsbeihilfe oder Weiterbildungsteilzeitbeihilfe beim AMS an Ihrem Hauptwohnsitz.
  6. Informieren Sie den Arbeitgeber unverzüglich über die AMS-Entscheidung.
  7. Bewahren Sie alle Nachweise über Ausbildungserfolg, Anwesenheit oder ECTS-Punkte auf und legen Sie sie fristgerecht vor.

Hinweis: Dieser Artikel beruht auf öffentlich zugänglichen Informationen und stellt keine Rechtsberatung dar. Die Nutzung erfolgt auf eigene Verantwortung. Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich an eine geeignete fachkundige Stelle, etwa an einen Rechtsanwalt, eine arbeits- oder beschäftigungsrechtliche Beratung oder eine andere zuständige Fachperson.

Quelle: oesterreich.gv.at

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