Immer mehr Erstklässler verstehen ihre Lehrkräfte nicht: Deutschkenntnisse als Herausforderung in Wien

Fehlende Deutschkenntnisse stellen viele Wiener Volksschulen vor große Herausforderungen. Laut aktuellen Daten verstehen 44,6 Prozent der Erstklässler ihre Lehrkräfte nicht ausreichend – vor zwei Jahren waren es noch 36 Prozent.
44,6 Prozent der Erstklässler mit unzureichenden Deutschkenntnissen
Eine Volksschullehrerin berichtete, dass in ihrer Klasse mit 22 Kindern kein Schüler Deutsch als Muttersprache spricht. Drei Kinder konnten außerdem noch nicht lesen und schreiben und kannten keinen einzigen Buchstaben.
Die aktuellen Zahlen des Wiener Rathauses bestätigen, dass die Situation ernst ist:
- 44,6 Prozent der Wiener Erstklässler verstehen ihre Lehrkräfte nicht ausreichend.
- Vor zwei Jahren lag dieser Anteil bei 36 Prozent.
- 61 Prozent der Kinder mit schwachen Deutschkenntnissen wurden bereits in Österreich geboren.
- 24 Prozent dieser Kinder besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft.
- In sieben Wiener Bezirken gehört mehr als die Hälfte der Erstklässler zur Kategorie „Außerordentliche“.
Was bedeutet der Status „Außerordentliche“?
Als „Außerordentliche“ werden Kinder eingestuft, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, um vollständig am regulären Unterricht teilzunehmen. Für viele Familien ist die Zeit in diesem Status eine wichtige Grundlage, reicht aber nicht immer aus, damit ein Kind innerhalb weniger Monate sicher Deutsch lernt.
Es kommt auch vor, dass Kinder nach zwei Jahren weiterhin im Status „Außerordentliche“ bleiben, weil sie dem Unterricht und dem Lerntempo der Klasse noch nicht ausreichend folgen können.
Kindergarten und sprachliche Vorbereitung
Nach den geltenden gesetzlichen Vorgaben sollte jedes Kind vor dem Schuleintritt mindestens ein Jahr einen Kindergarten besuchen. Eine Schulleitung weist jedoch darauf hin, dass nicht nur der Kindergartenbesuch selbst entscheidend ist, sondern auch, welche Sprache dort im Alltag verwendet wird.
Wenn Deutsch im Kindergarten nicht genügend Raum einnimmt, können grundlegende Sprachkenntnisse bis zum Schuleintritt fehlen. Dadurch wird der Start in der Volksschule deutlich schwieriger.
Eine Belastung für die gesamte Klasse
Die fehlenden Deutschkenntnisse betreffen nicht nur Kinder mit schwächeren Leistungen. Lehrkräfte müssen besonders viel Zeit für grundlegende sprachliche Unterstützung aufwenden. Gleichzeitig kann sich der Unterricht für jene Schülerinnen und Schüler verlangsamen, die dem Stoff bereits gut folgen können.
Auch Eltern können nicht immer ausreichend helfen, wenn sie die Aufgabenstellungen selbst nicht gut verstehen. Nach Einschätzung der Lehrkräfte bemühen sich viele Familien, ihre Kinder zu unterstützen. Andere Familien schenken der schulischen Ausbildung hingegen wenig Aufmerksamkeit.
Welche Folgen hat die Entwicklung?
Die Zahlen zeigen, dass fehlende Deutschkenntnisse zu einem immer größeren Hindernis im Wiener Bildungssystem werden. Die Herausforderung betrifft Kinder, Eltern, Lehrkräfte und Mitschüler gleichermaßen und erfordert langfristige Lösungen.
Praktische Schritte für Eltern
- Informieren Sie sich frühzeitig bei der Volksschule über den Sprachstand und den möglichen Status Ihres Kindes.
- Fragen Sie nach, welche Unterstützung die Schule während der Zeit als „Außerordentliche“ anbietet.
- Achten Sie bereits im Kindergarten darauf, dass Ihr Kind regelmäßig Deutsch hört und verwendet.
- Lesen und üben Sie schulische Aufgaben gemeinsam, soweit Sie die Anweisungen verstehen.
- Sprechen Sie bei Schwierigkeiten früh mit Lehrkräften und der Schulleitung, damit Probleme nicht bis zum nächsten Schuljahr bestehen bleiben.