Sicherheit für ältere Menschen in Österreich: Betrugsmaschen und Hausnotruf

Ältere Menschen sind ein häufiges Ziel von Betrügern, die auf Vergesslichkeit, Angst oder Einsamkeit setzen. Die gute Nachricht: Viele Methoden wiederholen sich. Wer sie kennt, kann sich besser schützen. Dieser Artikel erklärt die häufigsten Betrugsmaschen und die Funktionsweise eines Hausnotrufsystems.
Wichtig: Die Polizei erreichen Sie unter 133, den allgemeinen Notruf unter 112, die Rettung unter 144 und die Feuerwehr unter 122. Diese Nummern können auch ohne SIM-Karte und von einem Wertkartenhandy mit leerem Guthaben gewählt werden.
Der Enkeltrick
Beim Enkeltrick ruft meist eine unbekannte Person an und gibt sich als Verwandter aus. Sie nennt ihren Namen nicht, sondern fragt beispielsweise: „Rate, wer dran ist?“ Sobald die angerufene Person einen Namen nennt, übernimmt der Anrufer diese Identität.
Anschließend wird eine dringende Notlage erfunden, für die schnell Geld benötigt wird. Die Rückzahlung wird versprochen. Das Geld holt häufig ein angeblicher Bote ab. Wenn zu Hause nicht genug Bargeld liegt, wird die betroffene Person gedrängt, sofort zur Bank zu gehen. Auch emotionaler Druck kommt vor, etwa mit dem Hinweis, man habe selbst schon oft geholfen.
Auf diese Weise haben manche Menschen ihre gesamten Ersparnisse verloren.
So reagieren Sie richtig
- Raten Sie keine Namen. Bitten Sie die anrufende Person, sich eindeutig zu identifizieren.
- Stellen Sie eine Frage, die nur der echte Angehörige beantworten kann.
- Legen Sie am besten auf und rufen Sie die betreffende Person unter der Ihnen bekannten Nummer zurück.
- Wenn Sie Hilfe zugesagt haben, aber Zweifel bekommen, wählen Sie 133 oder 112. Dort erfahren Sie, was zu tun ist. Die Polizei kann gegebenenfalls auch bei der geplanten Übergabe einschreiten.
Falsche Polizisten und angebliche Amtspersonen
Betrüger geben sich als Polizisten oder Kriminalbeamte aus. Sie behaupten, Geld oder Wertgegenstände müssten beschlagnahmt oder „in Sicherheit gebracht“ werden. Häufig erzählen sie außerdem, ein Angehöriger habe einen Unfall verursacht oder sei in Schwierigkeiten geraten. Dafür verlangen sie eine Kaution.
Sagen Sie, dass es gerade nicht passt, und bieten Sie einen Rückruf an. Eine echte Amtsperson wird das verstehen. Ein Betrüger wird dagegen versuchen, den Anruf nicht zu beenden und den Druck zu erhöhen. Wenn ein Angehöriger erwähnt wird, legen Sie auf und rufen Sie ihn direkt an.
Betrug an der Wohnungstür
Manche Personen bitten um ein Glas Wasser, einen Stift, Kleingeld oder Hilfe wegen eines gesundheitlichen Problems. Während Sie abgelenkt sind, durchsuchen Komplizen möglicherweise die Wohnung. Vorsicht ist auch angebracht, wenn sich jemand als Nachbar ausgibt und wegen einer angeblichen Aussperrung telefonieren möchte.
- Sehen Sie zuerst durch den Türspion oder sprechen Sie über die Gegensprechanlage.
- Öffnen Sie nur mit vorgelegter Sicherheitskette. Kleine Gegenstände können Sie auch so herausgeben.
- Bei einem medizinischen Problem können Sie die Rettung unter 144 oder die Polizei rufen. Lassen Sie die fremde Person trotzdem nicht in die Wohnung.
- Rufen Sie für einen angeblich ausgesperrten Nachbarn selbst einen Schlüsseldienst.
- Merken Sie sich das Aussehen, die Stimme, die Kleidung und andere auffällige Merkmale der Person.
Sind Betrüger bereits in der Wohnung und finden kein Geld, können sie unter Umständen auch Gewalt anwenden.
Gewinnbenachrichtigungen, Werbefahrten und Haustürgeschäfte
Eine unerwartete Gewinnbenachrichtigung kann dazu dienen, persönliche Daten, die Kontonummer, eine Unterschrift oder Geld zu erlangen. Die angegebene Telefonnummer ist häufig eine Mehrwertnummer. Von einem bekannt gegebenen Konto können außerdem unberechtigt Beträge abgebucht werden.
Bei einer Werbefahrt oder „Kaffeefahrt“ wird mit einem kostenlosen Essen geworben. Bei der Verkaufsveranstaltung setzen geschulte Verkäufer die Teilnehmer unter Druck. Die angebotenen Produkte sind oft minderwertig und überteuert. Am sichersten ist es, solchen Veranstaltungen fernzubleiben.
Für Verträge, die außerhalb von Geschäftsräumen abgeschlossen werden – etwa bei einer Werbefahrt, auf der Straße oder an der Wohnungstür – gelten besondere Rücktrittsrechte. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) berät dazu.
Sicherheit bei Bankgeschäften und unterwegs
- Größere Bargeldabhebung: Lassen Sie sich von einer Vertrauensperson begleiten.
- Bankschalter: Achten Sie darauf, dass andere Personen die Diskretionszone hinter der gelben Linie einhalten.
- Sehr hohe Beträge: Bitten Sie um eine Auszahlung in einem separaten Raum.
- Bankomat: Nehmen Sie keine Hilfe von Fremden an und geben Sie Ihre PIN niemandem.
- Karte und PIN: Bewahren Sie beides immer getrennt auf.
- Raub: Rufen Sie laut „Feuer!“ und geben Sie heraus, was verlangt wird. Das eigene Leben ist wichtiger als Geld oder Wertgegenstände.
Wie funktioniert ein Hausnotruf?
Ein Hausnotrufsystem besteht meist aus einem Zusatzgerät für das Festnetztelefon und einem Funksender, der als Armband oder Halskette getragen wird. Durch Drücken der Taste wird eine Notrufzentrale verständigt. Dort werden der Name, die Adresse und gegebenenfalls bekannte Erkrankungen angezeigt.
Die diensthabende Person spricht mit Ihnen und verständigt Angehörige oder schickt Hilfe. Wenn Sie nicht mehr sprechen können, wird trotzdem jemand zu Ihrer Adresse geschickt.
Manche Systeme bieten zusätzlich eine Aktivitätskontrolle. Dabei muss regelmäßig eine Taste gedrückt werden. Bleibt das Signal aus, meldet sich die Zentrale. Auch ohne Festnetzanschluss gibt es an vielen Stellen Lösungen.
Anbieter sind sowohl Organisationen als auch Unternehmen, zum Beispiel Rotes Kreuz, Caritas, Hilfswerk, Volkshilfe, Johanniter oder ASBÖ. Diese Aufzählung ist keine Empfehlung. Informieren Sie sich bei mehreren Anbietern über die Kosten.
Mögliche Ergänzungen sind ein Sturzsensor, ein Schlüsselsafe und eine Notrufuhr mit Ortungsfunktion.
Achtung: Nach der Digitalisierung eines Festnetzanschlusses kann der Hausnotruf möglicherweise nicht richtig funktionieren. Testen Sie das System daher unbedingt nach der Umstellung.
Hilfe bei Gewalt gegen ältere Menschen
Bei Gewalt gegen ältere Menschen bietet die Pro Senectute Österreich eine kostenlose und vertrauliche Beratung unter +43 699 11200099 an. Die Nummer kann von Betroffenen, Zeugen und Betreuungspersonen angerufen werden.
Häufige Fragen
Ist die polizeiliche Sicherheitsberatung kostenlos?
Ja. Informationen zum Schutz der Wohnung erhalten Sie über die kostenlose polizeiliche Sicherheitsberatung unter 059133.
Was soll ich tun, wenn ich bereits betrogen wurde?
Verständigen Sie die Polizei unter 133 oder 112 und erstatten Sie Anzeige. Sprechen Sie außerdem mit einer Person, der Sie vertrauen.
Was kostet ein Hausnotruf?
Ein konkreter Preis ist nicht angegeben. Erfragen Sie die Kosten direkt bei den jeweiligen Anbietern.
Praktische Schritte für mehr Sicherheit
- Speichern Sie 133, 112, 144 und 122 im Telefon.
- Vereinbaren Sie mit Angehörigen ein persönliches Kennwort für unerwartete Notrufe.
- Rufen Sie bei verdächtigen Anrufen immer selbst unter einer bekannten Nummer zurück.
- Öffnen Sie Fremden nicht unkontrolliert die Tür und lassen Sie niemanden unter einem Vorwand in die Wohnung.
- Informieren Sie sich bei mehreren Anbietern über ein Hausnotrufsystem und testen Sie es nach einer Änderung des Telefonanschlusses.
- Wenden Sie sich bei einem Schaden an die Polizei und bei Gewalt oder Unsicherheit an die Pro Senectute Österreich.
Quelle: oesterreich.gv.at