Das österreichische Schulsystem: Welche Schule ist die richtige?

Aktualisiert: 2026-10-26
Das österreichische Schulsystem: Welche Schule ist die richtige?

Das österreichische Schulsystem ist anders aufgebaut als viele vergleichbare Bildungssysteme. Besonders nach einem Umzug stellt sich daher oft die Frage, welche Einrichtung für das eigene Kind zuständig ist und wann die Anmeldung erfolgen muss.

Die folgenden Informationen geben einen Überblick über die wichtigsten Stationen – vom verpflichtenden Kindergartenjahr bis zur Mittelschule und zum Politechnikum.

Grundsätze des österreichischen Bildungssystems

Das Bundesministerium beschreibt als wichtiges Ziel der österreichischen Schule, dass junge Menschen ihre eigenen Fähigkeiten kennenlernen und Wissen erwerben, das sie auf ihr Berufsleben vorbereitet.

Schulbildung soll außerdem die notwendigen Grundlagen für die gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe vermitteln. Dabei sollen die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden.

Kindergarten und verpflichtendes Kindergartenjahr

Kinder werden in Österreich meist im Alter von sechs bis sieben Jahren schulreif. Der Besuch eines Kindergarten ist grundsätzlich freiwillig. Im letzten Jahr vor dem Schuleintritt besteht jedoch eine Besuchspflicht.

Nach den geltenden Regeln müssen Kinder, die bis zum 31. August des jeweiligen Jahres fünf Jahre alt werden, an mindestens 20 Stunden pro Woche beziehungsweise an mindestens vier Tagen pro Woche an elementaren Bildungsangeboten teilnehmen. Dieses Vorbereitungsjahr soll den Übergang in die Schule erleichtern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der deutschen Sprache.

Die Sprachförderung erfolgt vor allem durch spielerische Aktivitäten. Eine Befreiung von der Kindergartenpflicht kann unter bestimmten Umständen beantragt werden, etwa bei einer Behinderung, gesundheitlichen Problemen oder wenn der Besuch aufgrund der Entfernung zwischen Wohnort und Einrichtung nicht möglich ist.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Betreuung beziehungsweise Förderung zu Hause möglich. Dafür muss nachgewiesen werden, dass das Kind innerhalb der Familie ausreichende Deutschkenntnisse erworben hat und vor dem Schuleintritt keine zusätzliche Förderung mehr benötigt. Bei Fragen hilft die zuständige Gemeinde.

Die wichtigsten Schulformen

Volksschule

Die Volksschule ist die erste reguläre Schule. Sie entspricht ungefähr der Grundschule beziehungsweise der Primarstufe und wird normalerweise im Alter von sechs bis zehn Jahren besucht. Sie umfasst die 1. bis 4. Schulstufe. Die Klassen werden beispielsweise mit A, B oder C bezeichnet.

Vor dem Schuleintritt wird die Schulreife festgestellt. Dabei werden eigene Verfahren eingesetzt, gleichzeitig werden die Beobachtungen und Rückmeldungen aus dem Kindergarten berücksichtigt. Zeigt sich, dass ein Kind noch nicht schulreif ist, bleibt es nicht einfach im Kindergarten. Es erhält ein zusätzliches Vorbereitungsjahr, entweder in einer eigenen Klasse oder in einer Klasse der 1. oder 2. Schulstufe. Für diese Kinder gilt ein eigener Lehrplan.

In größeren Städten können alle vier Schulstufen an einem Standort besucht werden. In ländlichen Regionen kann es vorkommen, dass die 1. und 2. Schulstufe an einem anderen Schulstandort stattfinden als die 3. und 4. Schulstufe.

Der Unterricht wird meist überwiegend von einer Klassenlehrkraft geführt. Einzelne Fächer oder der Religionsunterricht können von anderen Lehrkräften übernommen werden. Zusätzlich gibt es Unterstützung für Kinder, die Lernrückstände aufholen müssen.

Deutschförderung und MIKA-D

Kinder, die Deutsch noch nicht oder nicht ausreichend sprechen, können an DAZ-Stunden – Deutsch als Zweitsprache – teilnehmen. Nach der Schulanmeldung absolvieren Kinder mit einer anderen Erstsprache einen sogenannten MIKA-D-Test. Damit werden ihre Deutschkenntnisse festgestellt.

Je nach Ergebnis erhalten sie zusätzliche Sprachförderung. Außerdem können sie den Status Außerordentlicher erhalten. Dieser Status kann höchstens zwei Jahre bestehen. In dieser Zeit erhalten die Kinder noch keine Noten. Im Mittelpunkt stehen die Integration in den Schulalltag und die Fähigkeit, am Unterricht teilzunehmen.

Ganztagsschule und Schulalltag in der Volksschule

Der Unterricht in der Volksschule endet häufig zwischen 11:30 und 12:30 Uhr. Wenn die Eltern eine Betreuung in der Ganztagsschule beantragen, können die Kinder meist bis etwa 16:00 oder 17:00 Uhr betreut werden.

Zur Nachmittagsbetreuung gehören üblicherweise ein Mittagessen, eine Jause, freie Spielzeiten und Angebote im Innen- sowie Außenbereich. Nach der verpflichtenden Lernzeit, in der die Hausaufgaben erledigt werden, können die Kinder an verschiedenen Programmen teilnehmen.

In Österreich ist die beste Note die 1, danach folgen 2, 3, 4 und 5. In der Volksschule werden Schularbeiten nicht überall regelmäßig geschrieben. Die Termine und die zu wiederholenden Themen werden den Eltern häufig im Voraus über eine verwendete App mitgeteilt.

Wie in anderen Schulen gibt es Elternabend und persönliche Gespräche zwischen Lehrkräften und Eltern. Für Gespräche und Informationen ist es hilfreich, zumindest über grundlegende Deutschkenntnisse zu verfügen, da nicht jede Lehrkraft Englisch spricht.

Auch bei der Jause und beim Mittagessen gelten an vielen Schulen bestimmte Regeln. Süße Getränke und Süßigkeiten sind teilweise nicht erwünscht. Eine mitgebrachte Jause soll möglichst Gemüse und Obst enthalten. Das Mittagessen kann aus Suppe und Hauptspeise bestehen; häufig werden zusätzlich Salat oder eingelegtes Gemüse angeboten. Als Getränk wird Wasser ausgegeben.

Mittelschule

Die Mittelschule besuchen Kinder normalerweise im Alter von zehn bis 14 Jahren, also nach Abschluss der 4. Schulstufe der Volksschule.

In der Mittelschule werden die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren Leistungen und Fähigkeiten eingestuft. Ab der 2. Klasse gibt es in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten lebenden Fremdsprache die Leistungsniveaus Standard AHS und Standard.

Standard AHS entspricht einem höheren Leistungsniveau und ist grundsätzlich mit dem Unterricht in der unteren allgemeinbildenden höheren Schule vergleichbar. Wenn ein Kind diesem Niveau später nicht mehr folgen kann, ist ein Wechsel in die Standard-Gruppe möglich. In beiden Leistungsniveaus wird nach einer fünfstufigen Notenskala beurteilt.

Am Ende der vierten Klasse der Mittelschule können Schülerinnen und Schüler besser einschätzen, welche weiteren Bildungswege oder beruflichen Möglichkeiten zu ihren Fähigkeiten passen. Auch in der Mittelschule gibt es Gespräche zwischen Lehrkräften und Eltern. Eine Nachmittagsbetreuung ist üblicherweise ebenfalls möglich.

Politechnikum

Das Politechnikum ist eine einjährige Schulform für Jugendliche, die nach der Mittelschule noch keine klare Entscheidung für einen bestimmten Beruf getroffen haben.

Im ersten Teil des Schuljahres erhalten die Jugendlichen Einblicke in verschiedene Fachbereiche. Die berufliche Grundbildung beginnt meist im zweiten Halbjahr. So bleibt Zeit, sich über die eigenen Interessen zu informieren und anschließend einen passenden Schwerpunkt auszuwählen.

In der Regel stehen sieben größere Fachbereiche zur Auswahl. Zusätzlich gehören Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen und Wirtschaftskunde zum Stundenplan. Weitere Fachbereiche können angeboten werden, wenn ausreichend Schülerinnen und Schüler Interesse zeigen und die Schule das Angebot organisieren kann.

Nach dem Abschluss können die Jugendlichen ohne ein eigenes Aufnahmeverfahren in eine passende berufsbildende Schule wechseln.

Was bei der Schulwahl wichtig ist

Die nächsten praktischen Schritte

  1. Erkundigen Sie sich bei der zuständigen Gemeinde, welche Volksschule für Ihre Wohnadresse zuständig ist.
  2. Klären Sie, ob für Ihr Kind das verpflichtende Kindergartenjahr gilt und welche Betreuungszeiten angeboten werden.
  3. Vereinbaren Sie rechtzeitig einen Termin mit der Schule und bringen Sie die verlangten Unterlagen mit.
  4. Besprechen Sie bei nicht ausreichenden Deutschkenntnissen die DAZ-Förderung und den MIKA-D-Test.
  5. Fragen Sie nach Ganztagsschule, Mittagessen, Lernzeit und Nachmittagsangeboten.
  6. Nutzen Sie Elternabende und persönliche Gespräche, um den Lernstand und den weiteren Bildungsweg Ihres Kindes zu besprechen.

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