Sozialhilfe 2026 in Österreich: Voraussetzungen, Beträge und Antrag

Die Sozialhilfe dient in Österreich als letztes Auffangnetz, wenn jemand den eigenen Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren kann. Die gesetzlichen Grundlagen gelten bundesweit, viele Details werden jedoch von den Bundesländern geregelt. Deshalb können Voraussetzungen, Zuschläge und tatsächliche Leistungen regional unterschiedlich sein.
Das Wichtigste zur Sozialhilfe 2026
- Für Alleinlebende und Alleinerziehende gelten 2026 maximal etwa 1.230 Euro pro Monat.
- Für Paare sind maximal etwa 1.722 Euro pro Monat vorgesehen.
- In Tirol können Paare maximal etwa 1.845 Euro erhalten.
- Die Leistung wird grundsätzlich 12-mal jährlich ausgezahlt.
- Für höhere Wohnkosten können die Länder den Grundbetrag um bis zu 30 Prozent erhöhen.
- Die Geldleistungen für Erwachsene einer Haushaltsgemeinschaft sind 2026 insgesamt mit ungefähr 2.152 Euro gedeckelt.
- Wer Sozialhilfe bezieht und nicht krankenversichert ist, wird vom Sozialamt zur Krankenversicherung angemeldet.
Was ist die Sozialhilfe-Grundsatzgesetz?
2019 wurde das Sozialhilfe-Grundsatzgesetz (SH-GG) beschlossen. Es trat am 1. Juni 2019 in Kraft und ist ein sogenanntes Grundsatzgesetz. Es legt fest, nach welchen Grundsätzen die Bundesländer ihre eigenen Sozialhilfegesetze gestalten müssen.
Einige Bestimmungen sind verbindlich, in vielen Bereichen haben die Länder jedoch Entscheidungsspielraum. Diese sogenannten Kann-Bestimmungen ermöglichen unterschiedliche Regelungen. Wo das Bundesgesetz keine Vorgaben macht, entscheidet das jeweilige Bundesland.
In acht Bundesländern gab es bereits ein eigenes Ausführungsgesetz; Tirol stand zu diesem Zeitpunkt noch vor der Einführung.
Wie viel Sozialhilfe gibt es 2026?
Das SH-GG legt keine garantierten Mindestbeträge fest, sondern Höchstsätze. Die genannten Beträge sind daher Obergrenzen. Die tatsächliche Leistung kann je nach Bundesland, Einkommen, Vermögen und persönlicher Situation niedriger ausfallen.
- Alleinlebende: etwa 1.230 Euro monatlich
- Alleinerziehende: etwa 1.230 Euro monatlich
- Paare: etwa 1.722 Euro monatlich
- Paare in Tirol: etwa 1.845 Euro monatlich
Der höhere Betrag für Paare in Tirol hängt damit zusammen, dass dort das neue Ausführungsgesetz noch nicht fertiggestellt war und eine andere Einstufung galt.
Die Beträge für minderjährige Kinder werden von den Bundesländern festgelegt. Die bundesweiten Höchstsätze für Kinder wurden im Dezember 2019 aufgehoben.
Welche Zuschläge sind möglich?
Zusätzlich zum Grundbetrag können die Bundesländer weitere Zuschläge vorsehen. Ein Zuschlag für Menschen mit Behinderung muss gewährt werden, sofern keine andere gleichwertige Leistung besteht.
- Alleinerziehende, erstes Kind: etwa 148 Euro pro Monat; die Gewährung hängt vom Bundesland ab
- Alleinerziehende, ab dem vierten Kind: etwa 37 Euro pro Kind und Monat; die Gewährung hängt vom Bundesland ab
- Zuschlag für Menschen mit Behinderung: etwa 221 Euro; verpflichtend, wenn keine andere gleichwertige Leistung besteht
Zusätzliche Unterstützung für Wohnkosten
Wegen höherer regionaler Wohnkosten können die Bundesländer den Leistungsbetrag mit einer Wohnkostenpauschale um bis zu 30 Prozent erhöhen.
Beispiel für eine alleinlebende Person: Vom Grundbetrag von maximal etwa 1.230 Euro können 30 Prozent, also ungefähr 369 Euro, hinzukommen. Damit wären insgesamt etwa 1.599 Euro möglich.
Wien, Vorarlberg, Tirol und Salzburg haben traditionell eine solche zusätzliche Wohnkostenunterstützung angeboten. Seit März 2023 kann die erhöhte Wohnkostenleistung vollständig als Geldleistung ausgezahlt werden. Eine direkte Überweisung an den Vermieter ist daher nicht verpflichtend. Im Einzelfall kann das Bundesland weiterhin eine Sachleistung wählen.
Gibt es einen Höchstbetrag für eine Haushaltsgemeinschaft?
Ja. Nach der sogenannten Deckelungsbestimmung dürfen die Geldleistungen für Erwachsene in einer Haushaltsgemeinschaft gemeinsam höchstens 175 Prozent des für Alleinstehende geltenden Ausgleichszulagenrichtsatzes betragen. Im Jahr 2026 sind das ungefähr 2.152 Euro.
Das Bundesland kann außerdem einen Mindestbetrag pro Person festlegen. Dieser darf 2026 höchstens 246 Euro monatlich betragen. Besonders geschützte Gruppen, etwa Menschen mit Behinderung, können vom Deckel ausgenommen werden.
Als Haushaltsgemeinschaft gelten beispielsweise nicht:
- Frauenhäuser
- Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung
- Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe
Welche Regeln gelten für Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft?
Eine im Juni 2022 in Kraft getretene Änderung ermöglicht es den Bundesländern, für Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft eine Härtefallklausel anzuwenden. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein Bundesland davon Gebrauch macht, steht im jeweiligen Landesgesetz.
Die Regel, wonach der volle Sozialhilfebetrag an Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 gebunden war, wurde 2019 als verfassungswidrig aufgehoben.
Die konkreten Voraussetzungen für EU-Bürgerinnen und EU-Bürger finden sich im Sozialhilfegesetz des Bundeslandes, in dem der Wohnsitz liegt.
Was wird nicht als Einkommen berücksichtigt?
Seit den Änderungen von 2024 werden Schmerzengeld, die Versehrtenrente und bestimmte weitere Leistungen der Unfallversicherung weder als Einkommen noch als Vermögen berücksichtigt. Das gilt auch bei einer nachträglichen Auszahlung.
Auch der Kinderzuschlag für Alleinerziehende und Alleinverdienende nach § 104 EStG wird nicht angerechnet. Steuerliche Familienvergünstigungen wie der Familienbonus Plus sind davon getrennt zu betrachten.
Seit 2025 gibt es keinen verpflichtenden Ausbildungszuschlag mehr. Ebenfalls abgeschafft wurde die Regel, nach der der Ausbildungszuschlag des AMS nicht auf die Sozialhilfe angerechnet werden musste.
Was gilt für die Krankenversicherung?
Wer Sozialhilfe erhält und nicht krankenversichert ist, wird vom Sozialamt zur Krankenversicherung angemeldet. Dadurch besteht ohne Einschränkung Zugang zur medizinischen Versorgung.
Die Landesgesetze können außerdem zusätzliche Unterstützungen für besondere Bedürfnisse vorsehen. Dazu können beispielsweise nachträgliche Zahlungen für Mietrückstände oder offene Energiekosten gehören. Über die Härtefallklausel können im Einzelfall weitere Sachleistungen gewährt werden, etwa der Ersatz einer kaputten Waschmaschine.
Häufige Fragen
Ist die Sozialhilfe in ganz Österreich gleich hoch?
Nein. Der Bund legt vor allem Höchstsätze und Rahmenbedingungen fest. Die tatsächlichen Beträge und Zuschläge werden durch die Bundesländer geregelt. In Tirol gilt beispielsweise ein anderer Höchstbetrag für Paare.
Wie oft wird die Sozialhilfe ausgezahlt?
Die Sozialhilfe wird grundsätzlich 12-mal pro Jahr ausgezahlt.
Ist ein B1-Sprachnachweis für den vollen Betrag erforderlich?
Die entsprechende Regelung wurde 2019 als verfassungswidrig aufgehoben.
Wird die Wohnkostenleistung direkt an den Vermieter überwiesen?
Seit März 2023 ist das nicht mehr verpflichtend. Die Wohnkostenleistung kann als Geldleistung ausgezahlt werden. Im Einzelfall kann das Bundesland jedoch weiterhin eine Sachleistung vorsehen.
Praktische Schritte zur Antragstellung
- Ermitteln Sie, welches Bundesland für Ihren Wohnsitz zuständig ist.
- Prüfen Sie die dort geltenden Voraussetzungen und Höchstbeträge im jeweiligen Landesgesetz.
- Wenden Sie sich an das zuständige Sozialamt und erkundigen Sie sich nach dem Antragsweg.
- Bereiten Sie Nachweise zu Einkommen, Vermögen, Wohnkosten und zur Haushaltsgemeinschaft vor.
- Geben Sie an, ob besondere Umstände wie eine Behinderung, offene Miet- oder Energiekosten oder fehlender Krankenversicherungsschutz vorliegen.
- Lassen Sie sich die Entscheidung und die Berechnung der Leistung schriftlich mitteilen.
Die Sozialhilfe ist von der persönlichen Situation und den Regelungen des jeweiligen Bundeslandes abhängig. Dieser Überblick ersetzt keine individuelle Rechts- oder Sozialberatung.
Quelle: oesterreich.gv.at