ECTS, STEOP und Bologna: Das österreichische Hochschulsystem erklärt

Aktualisiert: 2026-10-26
ECTS, STEOP und Bologna: Das österreichische Hochschulsystem erklärt

Wer in Österreich ein Hochschulstudium beginnt, begegnet bald den Begriffen Bologna, ECTS und STEOP. Sie bestimmen, wie Studiengänge aufgebaut sind, wie Leistungen gemessen werden und was im ersten Semester wichtig ist.

Was ist der Bologna-Prozess?

Der Bologna-Prozess ist eine Reform des europäischen Hochschulwesens. Die zugrunde liegende Erklärung wurde 1999 von 29 europäischen Staaten unterzeichnet. Ziel war die Schaffung eines Europäischen Hochschulraums (Europäischer Hochschulraum, EHR), in dem Studierende, Lehrende und Forschende leichter mobil sein können und Studiengänge vergleichbar und transparenter werden.

Der Europäische Hochschulraum wurde 2010 auf der Jubiläumskonferenz in Budapest und Wien ausgerufen. Heute nehmen 49 europäische Länder und die Europäische Kommission daran teil. Die Vertretung Russlands und Belarus’ wurde im April 2022 suspendiert. Die Teilnahme ist freiwillig: Die Länder verpflichten sich, ihre Systeme an gemeinsamen Zielen auszurichten.

Zu den wichtigsten Elementen gehören:

Was bedeutet ECTS?

ECTS steht für „European Credit Transfer and Accumulation System“, also das europäische System zur Übertragung und Ansammlung von Studienleistungen. An österreichischen Hochschulen werden Lehrveranstaltungen und Studienabschnitte in ECTS-Anrechnungspunkten gemessen.

Das ECTS-System erleichtert in der Europäischen Union die gegenseitige Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen. Das ist besonders relevant, wenn Sie das Studium oder die Hochschule wechseln oder ein Semester im Ausland absolvieren.

Anerkennung: Welche Vorleistungen können angerechnet werden?

Wenn Sie Inhalte einer Lehrveranstaltung bereits früher erworben haben, können Sie die Anerkennung von Lernleistungen beantragen. Nach einer Anerkennung muss die entsprechende Prüfung nicht nochmals abgelegt werden. Die Anerkennung erfolgt nicht automatisch, sondern muss beantragt werden.

An Universitäten und Pädagogischen Hochschulen entscheidet das für Studienangelegenheiten zuständige Organ. An Fachhochschulen entscheidet die Studiengangsleitung. Vor einem Erasmus-Aufenthalt können Sie vorab klären lassen, ob die im Ausland geplanten Lehrveranstaltungen anerkannt werden können. Bei gemeinsamen, grenzüberschreitenden Studienprogrammen (joint programmes) ist dies bereits Bestandteil des Programms.

Was ist die STEOP?

Die STEOP (Studieneingangs- und Orientierungsphase) ist die einführende und orientierende Studienphase. Sie richtet sich an Studienanfängerinnen und Studienanfänger und vermittelt einen Überblick über die wesentlichen Inhalte des Studiums.

Die STEOP ist Bestandteil jedes Bachelor- und Diplomstudiums, ausgenommen an Kunstuniversitäten. Sie gilt auch für die noch bestehenden Diplomstudien in Rechtswissenschaften und katholischer Theologie. In den Studienrichtungen Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin und Psychologie kann die STEOP per Verordnung entfallen.

Die wichtigsten STEOP-Regeln

Grundsätzlich dürfen weitere Lehrveranstaltungen und Prüfungen erst absolviert werden, wenn alle STEOP-Prüfungen bestanden wurden. Das Curriculum kann davon abweichen und vor Abschluss der STEOP höchstens 22 ECTS an weiterführenden Lehrveranstaltungen erlauben. Die Prüfungstermine müssen so angesetzt werden, dass das Studium nach einer erfolgreichen STEOP im nächsten Semester fortgesetzt werden kann.

Wichtig: Wenn Sie bei einer vorgeschriebenen STEOP-Prüfung auch beim letzten Wiederholungsversuch nicht bestehen, erlischt die Zulassung zu diesem Studium.

Wer kann in Österreich ein Hochschulstudium beginnen?

Die allgemeine Grundlage für ein Hochschulstudium ist meist die Reifeprüfung (Matura). Die Matura an einer allgemeinbildenden höheren Schule (AHS) berechtigt zu einem Studium an einer Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule. Auch die Reife- und Diplomprüfung einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) ermöglicht diese Studienwege.

Für bestimmte Studienrichtungen kann eine Zusatzprüfung in Latein, Griechisch, Darstellender Geometrie oder Biologie erforderlich sein, wenn diese Fächer in der Schule nicht in ausreichendem Umfang besucht wurden. Bei Latein ist die Zusatzprüfung beispielsweise nicht notwendig, wenn mindestens 10 Wochenstunden erfolgreich absolviert wurden.

Auch ohne Matura gibt es einen Zugangsweg: die Studienberechtigungsprüfung. Voraussetzung sind das vollendete 20. Lebensjahr, die Staatsangehörigkeit eines EU- oder EWR-Mitgliedstaats oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten gesetzlich festgelegten Personenkreis sowie eine geeignete Vorbildung. Die Prüfung besteht aus fünf Teilprüfungen und berechtigt nur zum Studium der gewählten Studienrichtungsgruppe.

Häufige Fragen

Wie viele ECTS umfasst die STEOP?

Je nach Studium umfasst sie mindestens 8 und höchstens 20 ECTS.

Wie oft kann ich eine STEOP-Prüfung wiederholen?

Grundsätzlich drei Mal, wie auch andere Prüfungen.

Werden HTL- oder HAK-Leistungen anerkannt?

Auf Antrag können sie mit höchstens 60 ECTS anerkannt werden. Zusammen mit anderen beruflichen oder sonstigen Qualifikationen sind insgesamt höchstens 90 ECTS möglich.

Gibt es in jedem Studium eine STEOP?

Nein. An Kunstuniversitäten gibt es keine STEOP. In Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin und Psychologie kann sie entfallen.

Praktische Schritte vor und zu Beginn des Studiums

  1. Prüfen Sie im Curriculum, welche Lehrveranstaltungen zur STEOP gehören und wie viele ECTS sie umfassen.
  2. Stellen Sie Anträge auf Anerkennung von Lernleistungen frühzeitig bei der zuständigen Stelle Ihrer Hochschule.
  3. Sammeln Sie Nachweise über frühere Studien, Schulabschlüsse und berufliche Qualifikationen.
  4. Klären Sie vor einem Erasmus-Aufenthalt, welche ausländischen Lehrveranstaltungen anerkannt werden können.
  5. Beachten Sie die Prüfungstermine und Wiederholungsregeln, da eine endgültig nicht bestandene STEOP-Prüfung zum Erlöschen der Zulassung führen kann.
  6. Informieren Sie sich direkt bei der Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule über studiengangsspezifische Abweichungen.

Dieser Überblick basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen, unter anderem von oesterreich.gv.at, und stellt keine individuelle Beratung dar.

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