Das österreichische Schulsystem: Volksschule, Mittelschule, AHS, BHS und weitere Schulformen

Wer mit einem Kind in Österreich lebt, begegnet schnell Abkürzungen wie AHS, BHS, BMS oder PTS. Dieser Überblick zeigt den Stand 2026: Welche Schulform ist wofür gedacht, wann ist ein Wechsel möglich und welche Bildungswege führen zu Matura, Berufsausbildung oder Studium?
Wie ist das österreichische Schulsystem aufgebaut?
In Österreich werden die Schuljahre als Schulstufen fortlaufend gezählt, unabhängig von der jeweiligen Schulform. Die Klassen einer Schule beginnen dagegen meist wieder mit der Zahl eins. Die erste Klasse einer AHS entspricht daher der 5. Schulstufe.
Zu den Pflichtschulen gehören die Volksschule, die Mittelschule, die Sonderschule beziehungsweise inklusiver Unterricht sowie die Polytechnische Schule. Nach der Pflichtschule stehen unter anderem allgemeinbildende und berufsbildende Schulen offen.
- AHS: 5. bis 12. Schulstufe, insgesamt acht Jahre; das Oberstufenrealgymnasium dauert vier Jahre.
- Polytechnische Schule: 9. Schulstufe, ein Jahr.
- BMS: 9. bis höchstens 12. Schulstufe, je nach Form ein bis vier Jahre.
- BHS: 9. bis 13. Schulstufe, fünf Jahre.
- Berufsschule: ab der 10. Schulstufe, je nach Lehrberuf zwei bis vier Jahre.
Nach der Volksschule: Mittelschule oder AHS?
Nach dem Abschluss der 4. Klasse der Volksschule entscheidet sich, ob ein Kind in der 1. Klasse einer Mittelschule oder einer allgemeinbildenden höheren Schule, kurz AHS, weiterlernt.
Die Aufnahme in die 1. Klasse einer AHS ist möglich, wenn das Kind:
- die 4. Klasse der Volksschule erfolgreich abgeschlossen hat und in Deutsch sowie Mathematik die Beurteilung „Sehr gut“ (1) oder „Gut“ (2) erhalten hat;
- in diesen Fächern die Beurteilung „Befriedigend“ (3) hat, die Schulkonferenz aber aufgrund der sonstigen Leistungen feststellt, dass es den Anforderungen der AHS voraussichtlich entsprechen wird; oder
- eine Aufnahmsprüfung besteht.
Auch aus der Mittelschule ist ein späterer Wechsel in eine AHS möglich. Nach der 1. Klasse müssen dafür in Deutsch, einer lebenden Fremdsprache und Mathematik zumindest „Gut“-Beurteilungen vorliegen. Nach der 2. oder 3. Klasse ist in diesen Fächern auf der grundlegenden Ebene Standard mindestens „Gut“ oder auf der höheren Ebene Standard AHS eine positive Beurteilung erforderlich. Fehlt die jeweilige Voraussetzung, muss in dem betreffenden Fach eine Aufnahmsprüfung abgelegt werden.
Die AHS: Allgemeinbildung und Matura
Die allgemeinbildende höhere Schule vermittelt eine breite Allgemeinbildung und bereitet auf ein Studium vor. Sie besteht aus der Unterstufe von der 5. bis zur 8. Schulstufe und der Oberstufe von der 9. bis zur 12. Schulstufe.
In den ersten beiden Klassen sind die Lehrpläne der verschiedenen AHS-Formen gleich. Ab der 3. Klasse unterscheiden sich die Schwerpunkte:
- Gymnasium: Latein oder eine zweite lebende Fremdsprache.
- Realgymnasium: unter anderem mehr Mathematik sowie Geometrisches Zeichnen, Technik und Design.
- Wirtschaftskundliches Realgymnasium: unter anderem mehr Chemie, Geografie und wirtschaftliche Bildung sowie Technik und Design.
Das Oberstufenrealgymnasium ist eine vierjährige AHS-Form, in die der Einstieg nach der 8. Schulstufe möglich ist. Schulen können zusätzlich eigene Schwerpunkte anbieten, zum Beispiel in Informatik oder Ökologie.
Die AHS endet mit der Reifeprüfung, also der AHS-Matura. Sie berechtigt grundsätzlich zum Studium an einer Universität, einer Fachhochschule, einer Pädagogischen Hochschule sowie an Akademien. Für einzelne Studienrichtungen kann eine Ergänzungsprüfung erforderlich sein.
Polytechnische Schule: Orientierung für die Berufswahl
Die Polytechnische Schule schließt an die 8. Schulstufe an und umfasst ein Jahr, nämlich die 9. Schulstufe. Sie richtet sich in der Regel an Jugendliche im Alter von 14 oder 15 Jahren und setzt acht abgeschlossene Schuljahre voraus.
Neben der Allgemeinbildung steht die Berufsorientierung im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler wählen einen Fachbereich, zum Beispiel Bau, Elektro, Holz, Metall, Handel und Büro, Gesundheit, Schönheit und Soziales oder Tourismus. Betriebsbesichtigungen und Schnupperlehren helfen dabei, verschiedene Berufe kennenzulernen.
Nach erfolgreichem Abschluss ist der Eintritt ohne Aufnahmsprüfung in die 1. Klasse einer BHS oder in die 2. Klasse einer fachgleichen BMS möglich. Alternativ kann eine berufliche Ausbildung oder eine Beschäftigung begonnen werden.
BMS und BHS: Berufsbildende Schulen
Berufsbildende mittlere Schule (BMS)
Eine BMS dauert je nach Schulform ein bis vier Jahre. Ein- und zweijährige Formen vermitteln eine teilweise berufliche Ausbildung. Drei- und vierjährige Formen schließen mit einer Abschlussprüfung ab und führen zu einer vollständigen Berufsausbildung.
Beispiele sind die dreijährige Handelsschule, Schulen für Hotel- und Gastgewerbe sowie technische Fachschulen. Danach kommen unter anderem die Berufsreifeprüfung oder ein sechssemestriger Aufbaulehrgang infrage.
Berufsbildende höhere Schule (BHS)
Die BHS dauert fünf Jahre und umfasst die 9. bis 13. Schulstufe, gewöhnlich im Alter von 14 bis 19 Jahren. Sie vermittelt zwei Abschlüsse: Die Reifeprüfung berechtigt zum Studium, die Diplomprüfung ermöglicht den direkten Berufseinstieg und den Zugang zu reglementierten Berufen.
Zu den BHS zählen unter anderem technische Höhere Lehranstalten (HTL), die Handelsakademie (HAK), Schulen für Tourismus und Landwirtschaft sowie die Bildungsanstalt für Elementarpädagogik.
Voraussetzung für BMS und BHS ist der erfolgreiche Abschluss der 8. Schulstufe. Bei sportlichen oder künstlerischen Schwerpunkten ist jedenfalls eine Aufnahmsprüfung erforderlich. Das gilt auch für pädagogische Einrichtungen unter den BHS.
Berufsausbildung mit Lehrvertrag und Berufsschule
Wer einen Lehrvertrag abschließt, muss eine Berufsschule besuchen. Rund 80 Prozent der Ausbildungszeit finden im Betrieb und 20 Prozent in der Schule statt. Abhängig vom Lehrberuf dauert die Ausbildung zwei bis vier Jahre; derzeit gibt es mehr als 200 Lehrberufe.
Die Berufsschule kann ganzjährig organisiert sein, mit mindestens einem ganzen oder zwei halben Schultagen pro Woche. Möglich sind auch lehrgangsmäßige Formen mit mindestens acht zusammenhängenden Wochen pro Jahr oder saisonale Modelle.
Während der Lehrzeit können Jugendliche außerdem mit der Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung beginnen. Diese Vorbereitung ist für sie kostenlos.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das österreichische Gymnasium?
Die AHS dauert acht Jahre, von der 5. bis zur 12. Schulstufe. Das Oberstufenrealgymnasium beginnt nach der 8. Schulstufe und dauert vier Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen AHS und BHS?
Die AHS vermittelt vor allem Allgemeinbildung und endet mit der Matura. Die fünfjährige BHS führt sowohl zur Matura als auch zu einem beruflichen Diplom und ermöglicht damit auch einen direkten Berufseinstieg.
Kann man von der Mittelschule in ein Gymnasium wechseln?
Ja. Ein Wechsel ist möglich, wenn die erforderlichen Beurteilungen vorliegen. Wenn die Notenvoraussetzungen nicht erfüllt sind, kann die Aufnahmsprüfung in den betreffenden Fächern abgelegt werden.
Praktische Schritte für Eltern und Jugendliche
- Prüfen Sie, welche Schulstufe das Kind abgeschlossen hat und welche Schulformen ab dieser Stufe offenstehen.
- Vergleichen Sie die Profile der infrage kommenden AHS, BMS oder BHS und informieren Sie sich direkt bei den Schulen über Aufnahmebedingungen.
- Kontrollieren Sie insbesondere die Beurteilungen in Deutsch, Mathematik und der lebenden Fremdsprache, wenn ein AHS-Wechsel geplant ist.
- Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach Anmeldefristen und einer eventuell erforderlichen Aufnahmsprüfung.
- Bei Interesse an einer Lehre: Nutzen Sie Berufsorientierung, Betriebsbesichtigungen und Schnupperlehren und klären Sie anschließend den Lehrvertrag sowie den Berufsschulbesuch.
- Für verbindliche Auskünfte zu einer konkreten Schule wenden Sie sich an die Schule oder die zuständige Bildungsbehörde.
Quelle: oesterreich.gv.at