Wohnformen für ältere Menschen in Österreich: Diese Möglichkeiten gibt es 2026

Für das Wohnen im Alter gibt es in Österreich mehrere Möglichkeiten zwischen dem selbstständigen Leben zu Hause und dem Alten- und Pflegeheim. Je nach Gesundheitszustand, Unterstützungsbedarf und persönlichen Wünschen kommen unterschiedliche Wohn- und Betreuungsformen infrage.
Welche Wohnformen gibt es für ältere Menschen?
Die Angebote unterscheiden sich vor allem darin, wie selbstständig der eigene Haushalt geführt wird und wie viel Unterstützung zur Verfügung steht.
- Wohnen zu Hause: die eigene Wohnung mit zusätzlichen Unterstützungsangeboten
- Betreutes Wohnen: eine eigene, meist barrierefreie Wohnung mit Betreuung nach Bedarf
- Betreute Seniorenwohngemeinschaft: ein gemeinsamer Haushalt mit eigenem Zimmer und gemeinsam genutzten Räumen
- Mehr-Generationen-Wohnen: ältere und jüngere Menschen leben in einem Wohnprojekt zusammen
- Wohnen-für-Hilfe: ältere Menschen stellen Wohnraum zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Unterstützung im Alltag
- Alten- und Pflegeheim: eine eigene Kategorie für eine umfassendere stationäre Betreuung
Wohnen zu Hause: Welche Hilfe ist möglich?
Wenn Pflegebedarf oder eine Behinderung den Alltag erschweren, können verschiedene Angebote das selbstständige Wohnen unterstützen:
- Soziale Dienste
- mobile Betreuung zu Hause, einschließlich der 24-Stunden-Betreuung
- Unterstützung für pflegende Angehörige
- Tagesbetreuung
Tageszentren für Seniorinnen und Senioren
Tageszentren für Seniorinnen und Senioren sind teilstationäre Einrichtungen. Je nach Angebot umfassen sie den Transport von zu Hause und zurück, Verpflegung, bei Bedarf Pflege, Beratung sowie Einzel- und Gruppenangebote.
Dazu können Ergo- und Physiotherapie, Musik- und Gesprächsgruppen, Ausflüge sowie Veranstaltungen gehören. Betreut werden die Besucherinnen und Besucher unter anderem von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Ergo- und Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Heimhilfen, Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten, Psychologinnen und Psychologen sowie diplomierten Pflegekräften.
In Wien informiert und berät der FSW (Fonds Soziales Wien) zu entsprechenden Angeboten.
Was bedeutet Betreutes Wohnen?
Betreutes Wohnen verbindet eine altersgerechte, üblicherweise barrierefreie Wohnung oder ein Apartment mit konkreten Betreuungs- und Unterstützungsleistungen. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in einer eigenen Wohnung und können je nach Angebot etwa Verpflegung oder Betreuung in Anspruch nehmen.
In manchen Wohnanlagen sind bestimmte Leistungen als Grundservice enthalten. Je nach Bedarf können mobile soziale und gesundheitliche Dienste ergänzt werden. Ziel ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner so lange wie sozial und gesundheitlich möglich in der eigenen Wohnung leben können.
Wichtig: Betreutes Wohnen ist gesetzlich nicht einheitlich geregelt. Die Anbieter können ihre Leistungen daher unterschiedlich gestalten. Zwischen den Angeboten bestehen teilweise große Unterschiede – sowohl bei der Organisationsform als auch beim Umfang der Betreuung.
Ob ein Gebäude tatsächlich barrierefrei, gehoben barrierefrei oder nur teilweise barrierefrei ist, kann anhand der Norm ÖNORM B1610 beurteilt werden.
Wer bietet Betreutes Wohnen an?
- Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP), Wien: Das Angebot umfasst Ein- und Zweipersonenapartments, Gemeinschaftsräume, Freizeiteinrichtungen, Leistungen wie wöchentliche Reinigung und kleinere Reparaturen sowie fünf Mahlzeiten pro Tag. Weitere Leistungen können gegen Aufpreis in Anspruch genommen werden.
- Hilfsorganisationen: Dazu zählen beispielsweise Diakonie, Volkshilfe, Caritas, Hilfswerk und Sozial Global.
- Private Anbieter.
Betreute Seniorenwohngemeinschaft: eigene Zimmer, gemeinsame Räume
Bei einer Betreuten Seniorenwohngemeinschaft leben mehrere ältere Menschen in einer gemeinsamen Wohnung. Je nach Angebot besteht die Wohngemeinschaft aus vier bis acht Personen.
Jede Person hat ein eigenes Zimmer. Badezimmer, WC, Küche und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Soziale Dienste können für die gesamte Wohngemeinschaft organisiert werden. Bei Bedarf können einzelne Bewohnerinnen und Bewohner zusätzlich individuelle Unterstützung erhalten.
Solche Wohngemeinschaften werden von Hilfsorganisationen und privaten Anbietern betrieben. In Wien gehören beispielsweise die Wiener Sozialdienste, der Arbeiter-Samariter-Bund Wien und das Wiener Hilfswerk zu den genannten Anbietern.
Mehr-Generationen-Wohnen und Wohnen-für-Hilfe
Mehr-Generationen-Wohnen
Mehr-Generationen-Wohnen ist ein Sammelbegriff für Wohnprojekte, in denen jüngere und ältere Menschen zusammenleben, zum Beispiel in einer größeren Wohnanlage. Im Mittelpunkt stehen das Zusammenleben verschiedener Altersgruppen und gegenseitige Unterstützung.
Beispiele in Wien sind „Gemeinsam Leben“ von Kolping, WGE! und das Wohnprojekt Leuchtturm in der Seestadt.
Wohnen-für-Hilfe
Beim Modell Wohnen-für-Hilfe stellen ältere Menschen einer Studentin oder einem Studenten Wohnraum zur Verfügung. Im Gegenzug unterstützt die studentische Person im Alltag, etwa beim Einkaufen, bei Behördengängen oder im Haushalt.
Solche Programme werden beispielsweise von der ÖH in Graz, dem Diakonischen Verein Tirol und WGE! angeboten.
Worauf sollte man bei der Auswahl achten?
Da Betreutes Wohnen nicht gesetzlich einheitlich geregelt ist, sollten die Leistungen jedes Anbieters genau geprüft werden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Grundservice und kostenpflichtigen Zusatzleistungen.
- Welche Leistungen sind im Grundservice enthalten?
- Welche Betreuung und Pflege kann zusätzlich in Anspruch genommen werden?
- Welche Leistungen kosten extra?
- Wie barrierefrei ist das Gebäude nach der ÖNORM B1610?
- Welche Gemeinschaftsbereiche und Freizeitangebote gibt es?
- Welche Wohnform passt zum aktuellen und möglicherweise steigenden Unterstützungsbedarf?
Auch die finanzielle Situation, insbesondere die Höhe der Pension, spielt bei der Wahl und Finanzierung der Wohnform eine Rolle.
Häufige Fragen
Ist Betreutes Wohnen gesetzlich geregelt?
Nein. Die Anbieter gestalten ihre Angebote selbst. Deshalb können sich Wohnform, Grundservice und Betreuungsumfang deutlich unterscheiden.
Wie groß ist eine Betreute Seniorenwohngemeinschaft?
Je nach Angebot leben dort vier bis acht Personen. Jede Person hat ein eigenes Zimmer; die übrigen wichtigen Räume werden gemeinsam genutzt.
Was ist ein Tageszentrum?
Ein Tageszentrum ist eine teilstationäre Einrichtung für ältere Menschen. Tagsüber können dort unter anderem Verpflegung, Pflege, Therapie, Beratung und Gemeinschaftsangebote genutzt werden. Je nach Angebot ist auch der Transport von zu Hause und zurück möglich.
Wie lässt sich die Barrierefreiheit prüfen?
Die ÖNORM B1610 dient als Orientierung, um zu beurteilen, ob ein Gebäude barrierefrei oder nur teilweise barrierefrei ist und welchem Standard es entspricht.
Praktische nächste Schritte
- Den eigenen Unterstützungsbedarf und die gewünschte Selbstständigkeit einschätzen.
- Bei mehreren Anbietern Informationen zu Wohnform, Grundservice und Zusatzkosten anfordern.
- Die Wohnung oder Wohnanlage besichtigen und die Barrierefreiheit nach der ÖNORM B1610 erfragen.
- Bei Bedarf Tageszentren und mobile soziale oder gesundheitliche Dienste vergleichen.
- In Wien beim FSW (Fonds Soziales Wien) beraten lassen; außerhalb Wiens kommen unter anderem regionale Soziale Dienste, Hilfsorganisationen und private Anbieter infrage.
- Vor dem Vertragsabschluss schriftlich klären, welche Leistungen enthalten sind und welche Kosten zusätzlich anfallen.
Die Informationen beruhen auf Angaben von oesterreich.gv.at und ersetzen keine individuelle rechtliche, pflegerische oder gesundheitliche Beratung.