Der deutsche Konjunktiv II einfach erklärt

Der Konjunktiv II wird verwendet, wenn etwas nicht real, sondern nur bedingt, vorgestellt, gewünscht oder höflich formuliert ist. Im Alltag begegnet Ihnen diese Form zum Beispiel bei Wünschen, Vorschlägen und höflichen Bitten.
Wie wird der Konjunktiv II grundsätzlich gebildet?
Der Konjunktiv II wird theoretisch aus der Form des Präteritums (einfache Vergangenheit) gebildet.
- Starke Verben: Sie erhalten häufig einen Umlaut (a → ä, o → ö, u → ü) und eine entsprechende Endung.
- Gemischte Verben: Sie verändern sich ähnlich wie starke Verben und erhalten teilweise ebenfalls einen Umlaut.
- Schwache Verben: Ihre Konjunktiv-II-Form ist mit der Präteritumform identisch.
Beispiele
gehen → ging (Präteritum) → ginge (Konjunktiv II)
kommen → kam → käme
fliegen → flog → flöge
wissen → wusste → wüsste
machen → machte → machte
Das Problem bei schwachen Verben
Bei schwachen Verben wie machen, kaufen, lernen oder arbeiten ist die Konjunktiv-II-Form genau gleich wie die Präteritumform. Dadurch kann ein Satz missverständlich sein.
- machen → machte (Vergangenheit und Konjunktiv II)
- Er machte die Hausaufgaben. = Er erledigte die Hausaufgaben. (Vergangenheit)
- Er machte die Hausaufgaben. = Er würde die Hausaufgaben erledigen. (Bedingung oder Vorstellung)
Deshalb verwendet man bei schwachen Verben fast immer die Ersatzform würde + Infinitiv:
- Er würde die Hausaufgaben machen. – Er würde die Hausaufgaben erledigen.
Gemischte Verben
Bei gemischten Verben wie bringen, wissen oder denken gibt es theoretisch eigene Konjunktiv-II-Formen:
- wissen → wusste → wüsste
- bringen → brachte → brächte
Diese Formen sind korrekt und verständlich. In der gesprochenen Sprache wird jedoch auch hier häufig würde + Infinitiv verwendet:
- Ich wüsste die Antwort. – Das ist korrekt.
- Ich würde die Antwort wissen. – Diese Form kommt in der gesprochenen Sprache häufig vor.
Besonderheiten bei starken Verben
Bei starken Verben unterscheidet sich der Konjunktiv II deutlich vom Präteritum. Dadurch sind die Formen besonders gut erkennbar.
- gehen → ginge
- kommen → käme
- fliegen → flöge
Beispiele:
- Ich ginge ins Kino.
- Er käme gern mit.
- Wir flögen nach Wien.
Diese Formen sind grammatikalisch vollkommen korrekt. In der Alltagssprache wird aber auch bei starken Verben häufig die Form würde + Infinitiv verwendet:
- Ich würde ins Kino gehen.
- Er würde gern mitkommen.
Theorie und tatsächlicher Sprachgebrauch
- Theoretisch: Jedes Verb hat eine eigene Konjunktiv-II-Form, die aus dem Präteritum gebildet wird.
- In der Praxis:
- Bei schwachen Verben wird fast immer würde + Infinitiv verwendet.
- Bei gemischten Verben sind eigene Formen möglich, aber die würde-Form ist ebenfalls häufig.
- Bei starken Verben gibt es klare eigene Formen wie ginge, käme oder flöge. In der gesprochenen Sprache ist jedoch auch hier die würde-Form üblich.
Wenn Sie die Struktur würde + Infinitiv beherrschen, werden Sie im Gespräch verstanden. Für Prüfungen und schriftliche Texte sollten Sie zusätzlich die eigenen Formen starker und gemischter Verben kennen.
Beispiele im Vergleich
gehen – starkes Verb
- Ich ginge nach Hause.
- Ich würde nach Hause gehen. – Diese Variante ist in der gesprochenen Sprache häufiger.
wissen – gemischtes Verb
- Ich wüsste die Antwort.
- Ich würde die Antwort wissen. – Diese Variante kommt in der gesprochenen Sprache häufig vor.
machen – schwaches Verb
- Ich machte die Hausaufgaben. – Diese Form ist missverständlich, weil sie Vergangenheit oder Konjunktiv II sein kann.
- Ich würde die Hausaufgaben machen. – Diese Form macht die Bedeutung eindeutig.
Zusammenfassung
Der deutsche Konjunktiv II wird für nicht reale Situationen, Wünsche, Bedingungen und höfliche Formulierungen verwendet. Theoretisch wird er aus dem Präteritum gebildet.
- Starke Verben bilden klare Formen wie ginge, käme und flöge.
- Gemischte Verben haben Formen wie wüsste und brächte, werden aber häufig auch mit würde umschrieben.
- Bei schwachen Verben ist der Konjunktiv II gleich wie das Präteritum. Deshalb verwendet man hier normalerweise würde + Infinitiv.
Praktische Schritte zum Lernen
- Merken Sie sich die Struktur würde + Infinitiv als praktische Standardform.
- Lernen Sie wichtige eigene Formen starker und gemischter Verben, zum Beispiel ginge, käme, flöge, wüsste und brächte.
- Verwenden Sie bei schwachen Verben die würde-Form, damit keine Verwechslung mit dem Präteritum entsteht.
- Achten Sie in schriftlichen Texten und Prüfungen besonders auf die eigenen Konjunktiv-II-Formen.