Katastrophenfälle in Österreich: Warnsystem, Blackout, Hochwasser und Sturm

In Österreich wird die Bevölkerung bei drohenden Gefahren über Sirenen, Mobiltelefon-Nachrichten und die Programme des ORF gewarnt. Auch auf einen längeren Stromausfall oder einen schweren Sturm sollten Sie sich zu Hause vorbereiten. Dieser Überblick erklärt die Warnsignale, notwendige Vorräte, wichtige Notrufnummern und mögliche finanzielle Unterstützung nach einem Schaden.
Das Wichtigste im Überblick
- In Österreich stehen mehr als 8.300 Sirenen zur Warnung der Bevölkerung bereit.
- Nachrichten des AT-Alert-Systems kommen ohne Registrierung und App automatisch auf geeignete Mobiltelefone.
- Für einen Blackout sollten Sie Wasser und Lebensmittel für mindestens 10 bis 14 Tage vorrätig haben.
- Als Bargeldreserve empfiehlt sich ungefähr der Betrag für zwei Wochen Einkäufe, höchstens jedoch 100 Euro pro Haushaltsmitglied und möglichst in kleinen Scheinen.
- Kosten zur Beseitigung von Katastrophenschäden können grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden, soweit sie nicht ersetzt wurden.
Was bedeuten die Sirenensignale?
Das Warn- und Alarmsystem wird gemeinsam vom Bund und den Ländern betrieben. Auf Bundesebene löst die Bundeswarnzentrale des Innenministeriums Sirenen aus. Auf Landesebene sind die Landeswarnzentralen zuständig.
- Warnung: drei Minuten gleichbleibender Ton. Eine Gefahr nähert sich. Schalten Sie das ORF-Radio oder den ORF-Fernseher ein oder informieren Sie sich auf orf.at.
- Alarm: eine Minute auf- und abschwellender Ton. Es besteht Gefahr. Begeben Sie sich an einen geschützten Ort und befolgen Sie die Anweisungen des ORF.
- Entwarnung: eine Minute gleichbleibender Ton. Die Gefahr ist vorbei. Weitere Informationen erhalten Sie über den ORF.
- Feuerwehrsignal: dreimal 15 Sekunden. Dieses Signal ist keine Warnung an die Bevölkerung.
Der Sirenenprobealarm findet jeden Samstag um 12 Uhr statt, ausgenommen in Wien. Am ersten Samstag im Oktober wird außerdem zwischen 12 und 13 Uhr der österreichweite Zivilschutz-Probealarm durchgeführt. Auch dieser Probealarm bedeutet keine Gefahr.
Wie funktioniert AT-Alert?
AT-Alert ist ein österreichisches Bevölkerungswarnsystem auf Basis der Mobilfunktechnik „Cell Broadcast“. Das System ist anonym und fragt keine persönlichen Daten ab.
- Eine Registrierung ist nicht erforderlich.
- Sie müssen keine App installieren.
- Die Nachricht wird automatisch zugestellt, wenn Sie sich mit einem geeigneten Mobiltelefon in einem gefährdeten Gebiet befinden.
- AT-Alert ersetzt die Sirenen nicht, sondern ergänzt sie.
Prüfen Sie, ob Ihr Mobiltelefon AT-Alert empfangen kann, und kontrollieren Sie die entsprechenden Einstellungen des Geräts.
Blackout: Wie können Sie sich vorbereiten?
Von einem Blackout spricht man, wenn die Stromversorgung in einem großen Teil des Landes und nicht nur in einem einzelnen Haushalt über längere Zeit ausfällt. Dann können unter anderem Einkaufen, Tanken und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unmöglich sein.
Planen Sie möglichst so, als würden Sie zwei Wochen lang in der eigenen Wohnung campen.
Wasser, Lebensmittel und Bargeld
- Wasser und Lebensmittel: Vorrat für mindestens 10 bis 14 Tage für alle im Haushalt lebenden Personen.
- Wasserbedarf: Als Richtwert gelten 2,5 Liter pro Person und Tag.
- Gesamtmenge Wasser: 35 Liter pro Person.
- Bargeld: ungefähr der Betrag für zwei Wochen Einkäufe, höchstens 100 Euro pro Haushaltsmitglied, möglichst in kleinen Stückelungen.
Weitere sinnvolle Vorbereitungen
- ein batteriebetriebenes oder kurbelbetriebenes Radio,
- eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien,
- ein Erste-Hilfe-Set und persönlich verschriebene Medikamente,
- eine Möglichkeit zum Kochen ohne Strom unter Beachtung der Herstellerangaben,
- ein Auto mit möglichst nicht fast leerem Tank.
Eine Gefriertruhe ist kein geeigneter Hauptvorrat, weil sie ohne Strom bereits nach einigen Stunden nicht mehr kühlt. Bei offenem Feuer, einem Ofen oder einem Stromaggregat besteht die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung. Kohlenmonoxid ist unsichtbar, geruchlos und verursacht keinen Husten.
Während eines Blackouts informiert der ORF über seinen Notfallradiosender rund um die Uhr. Außerdem bleiben alle Polizeidienststellen geöffnet, damit sich die Bevölkerung an sie wenden kann.
Was ist bei Sturm und Hochwasser zu tun?
Vor dem Sturm
- Schließen Sie Türen und Fenster.
- Sichern Sie Gegenstände, die sich im Freien befinden.
- Stellen Sie das Auto nach Möglichkeit in eine Garage, aber nicht in eine Tiefgarage.
- Meiden Sie Gewässer, Alleen und Wälder.
Während und nach dem Ereignis
- Wenn Sie im Auto von einem Sturm überrascht werden, halten Sie an und begeben Sie sich in ein Gebäude.
- Betreten Sie keine überfluteten Unterführungen oder Gräben.
- Halten Sie nach dem Ereignis mindestens 10 Meter Abstand zu heruntergerissenen Leitungen.
- Bleiben Sie von Bächen, Flüssen und überschwemmten Gebieten fern.
Wichtige Notrufnummern
- Feuerwehr: 122
- Polizei: 133
- Rettung: 144
- Europäischer Notruf: 112
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 141
- Gasgebrechen: 128
- Bergrettung: 140
- Apothekennotruf: 1455
- Gesundheitsberatung: 1450
Beim Notruf hilft die „4-W-Regel“: Wo ist etwas passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Wer ruft an?
Schaden: Entschädigung und steuerliche Unterstützung
Informieren Sie zunächst unverzüglich die Gemeinde und Ihre Versicherung. Danach kommt eine Schadenserhebungskommission. Gemeinsam wird ein Schadensprotokoll aufgenommen. Dieses wird an die Landesregierung weitergeleitet; dort beginnt die Auszahlung der Unterstützung.
Finanzielle Hilfe kann aus dem Katastrophenfonds, aus anderen öffentlichen Mitteln, von Hilfsorganisationen oder aus einer privaten Versicherung kommen.
Kosten zur Beseitigung von Katastrophenschäden können grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung zur Gänze steuerlich abgesetzt werden, sofern sie nicht durch eine Versicherung oder öffentliche Mittel gedeckt sind. Ausgaben zur Vorbeugung künftiger Katastrophen sind nicht absetzbar. Beim zuständigen Finanzamt kann mit dem Formular L54 ein Freibetragsbescheid beantragt werden.
Häufige Fragen
Muss ich mich für AT-Alert registrieren?
Nein. Die Nachrichten werden automatisch zugestellt, wenn Sie sich mit einem geeigneten Mobiltelefon in einem gefährdeten Gebiet befinden.
Ist der Probealarm im Oktober gefährlich?
Nein. Am ersten Samstag im Oktober findet zwischen 12 und 13 Uhr ein österreichweiter Probealarm statt. Er weist nicht auf eine konkrete Gefahr hin.
Wird mein Gehalt weiterbezahlt, wenn ich wegen einer Katastrophe nicht zur Arbeit komme?
Eine solche Verhinderung kann als Dienstverhinderung gelten. Angestellten und Arbeitern steht die Entgeltfortzahlung zu. Das gilt auch, wenn Sie mit der Wiederherstellung Ihres eigenen Hauses beschäftigt sind. Kollektivverträge können abweichende Regelungen enthalten.
Wie viel Wasser sollte ich zu Hause lagern?
Der Richtwert der Blackout-Vorsorge beträgt 2,5 Liter pro Person und Tag. Der Vorrat sollte für mindestens 10 bis 14 Tage reichen. Als Gesamtmenge werden 35 Liter pro Person genannt.
Praktische Schritte für den Ernstfall
- Prüfen Sie die AT-Alert-Einstellungen und die Empfangsfähigkeit Ihres Mobiltelefons.
- Besorgen Sie Wasser und Lebensmittel für mindestens 10 bis 14 Tage.
- Halten Sie Radio, Taschenlampe, Ersatzbatterien, Erste-Hilfe-Set und notwendige Medikamente bereit.
- Bewahren Sie eine begrenzte Bargeldreserve in kleinen Stückelungen auf.
- Merken oder speichern Sie die wichtigsten Notrufnummern.
- Bei einer Warnung: Informieren Sie sich über den ORF und befolgen Sie die offiziellen Anweisungen.
- Bei einem Schaden: Verständigen Sie sofort die Gemeinde und die Versicherung, dokumentieren Sie den Schaden und bewahren Sie das Schadensprotokoll sowie Belege auf.
Quelle: oesterreich.gv.at
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Beratung dar. Für eine individuelle rechtliche, steuerliche, medizinische oder arbeitsrechtliche Einschätzung wenden Sie sich an die jeweils zuständige Fachstelle.