Das Präteritum: die erzählende Vergangenheit

Im Deutschen gibt es zwei wichtige Vergangenheitsformen:
- Perfekt – die übliche Vergangenheitsform in der gesprochenen Sprache: Ich habe gespielt.
- Präteritum – die Vergangenheitsform der Schriftsprache und des Erzählens: Ich spielte.
Im Alltag wird meistens das Perfekt verwendet. Das Präteritum findet man vor allem in Romanen, Märchen, Zeitungen und offiziellen Texten. Einige Verben stehen jedoch auch in der gesprochenen Sprache fast immer im Präteritum: sein, haben, werden sowie die Modalverben müssen, können, dürfen, sollen, wollen und mögen.
Wann verwendet man das Präteritum?
- In Märchen und Geschichten:
Es war einmal ein König. - In Zeitungen und Nachrichten:
Die Polizei meldete den Unfall. - In offiziellen Texten:
Der Vertrag trat gestern in Kraft. - Bei einigen häufigen Verben auch in Gesprächen:
Ich war müde.
Er hatte Hunger.
Wir mussten früh aufstehen.
Wie bildet man das Präteritum?
Bei der Bildung unterscheidet man drei Verbgruppen: schwache Verben, starke Verben und gemischte Verben.
Schwache Verben: regelmäßige Verben
Bei schwachen Verben besteht das Präteritum aus dem Verbstamm, -te und der jeweiligen Personalendung.
Beispiel: machen
- ich machte
- du machtest
- er/sie/es machte
- wir machten
- ihr machtet
- sie/Sie machten
Gestern machte ich meine Hausaufgaben.
Das Präteritum der schwachen Verben ist regelmäßig und daher vergleichsweise leicht zu lernen.
Starke Verben: unregelmäßige Verben
Bei starken Verben verändert sich häufig der Verbstamm, zum Beispiel der Vokal. In der dritten Person Singular steht außerdem keine -te-Endung. Die Formen müssen einzeln gelernt werden.
Beispiel: gehen
- ich ging
- du gingst
- er/sie/es ging
- wir gingen
- ihr gingt
- sie/Sie gingen
Wir gingen ins Kino.
Weitere Beispiele:
- kommen → kam
- sehen → sah
- finden → fand
- nehmen → nahm
- schreiben → schrieb
Gemischte Verben: Mischverben
Gemischte Verben verbinden Merkmale starker und schwacher Verben:
- Der Verbstamm verändert sich wie bei einem starken Verb.
- Die Form erhält eine -te-Endung wie bei einem schwachen Verb.
Beispiele:
- bringen → brachte
- denken → dachte
- kennen → kannte
- wissen → wusste
Er brachte das Buch zurück.
Ich wusste die Antwort.
Die Liste der gemischten Verben ist kurz, aber ihre Formen müssen ebenfalls einzeln gelernt werden.
Wichtige Verben im Präteritum
Die folgenden Formen kommen auch in der gesprochenen Sprache häufig vor:
- sein: ich war, du warst, er war, wir waren, ihr wart, sie waren
Ich war gestern zu Hause. - haben: ich hatte, du hattest, er hatte, wir hatten, ihr hattet, sie hatten
Wir hatten keine Zeit. - werden: ich wurde, du wurdest, er wurde, wir wurden, ihr wurdet, sie wurden
Es wurde dunkel.
Weitere Beispielsätze
- Ich spielte den ganzen Nachmittag Fußball.
- Der Schüler schrieb einen Aufsatz.
- Wir machten eine Reise nach Italien.
- Er brachte seinen Freund mit.
- Ich wusste nichts davon.
- Das Wetter war schön.
- Sie hatten Glück.
- Es wurde kalt.
Verneinung im Präteritum
Die Verneinung funktioniert grundsätzlich wie in anderen Zeitformen:
- nicht steht je nach Satzstruktur nach dem Verb oder am Satzende.
- kein steht vor einem Substantiv.
- Ich spielte nicht im Garten.
- Er hatte keine Zeit.
Fragen im Präteritum
Bei Entscheidungsfragen steht das konjugierte Verb an erster Stelle.
- Hattest du gestern Schule?
- War er krank?
- Schriebst du einen Brief?
Typische Fehler
- Präteritum und Perfekt in der gesprochenen Sprache verwechseln
- Gestern ging ich ins Kino. ist schriftsprachlich korrekt, klingt im Gespräch aber oft ungewohnt.
- Im Alltag sagt man eher: Gestern bin ich ins Kino gegangen.
- Starke Verben regelmäßig bilden
- Falsch: Ich gehte nach Hause.
- Richtig: Ich ging nach Hause.
- Gemischte Verben falsch bilden
- Falsch: Ich bringte das Buch.
- Richtig: Ich brachte das Buch.
Übungssätze
- Ich lernte gestern.
- Der Schüler schrieb einen Brief.
- Ich hatte kein Geld.
- Sie gingen in die Stadt.
- Der Hund bellte.
- Ich war krank.
- Ich wusste die Antwort nicht.
- Ich brachte das Buch nach Hause.
Zusammenfassung
- Das Präteritum der schwachen Verben ist regelmäßig und enthält die Endung -te.
- Starke Verben verändern häufig ihren Stamm und müssen gelernt werden.
- Gemischte Verben verbinden Stammveränderung und -te-Endung.
- In geschriebenen Texten und Erzählungen ist das Präteritum besonders häufig.
- In Gesprächen wird meistens das Perfekt verwendet.
- Sein, haben, werden und die Modalverben stehen jedoch auch im Gespräch häufig im Präteritum.
Praktische Schritte zum Lernen
- Lernen Sie zuerst die häufigen Formen von sein, haben, werden und den Modalverben.
- Üben Sie schwache Verben mit der regelmäßigen Endung -te.
- Führen Sie für starke und gemischte Verben eine eigene Liste mit Beispielsätzen.
- Verwenden Sie das Präteritum beim Schreiben von Geschichten und das Perfekt in alltäglichen Gesprächen.
- Wiederholen Sie die Übungssätze und bilden Sie anschließend eigene Beispiele.