Modalverben im Konjunktiv II der Vergangenheit: der Doppelinfinitiv

Die deutschen Modalverben müssen, sollen, können, wollen, dürfen und mögen stehen im Konjunktiv II der Vergangenheit, wenn eine Möglichkeit, Verpflichtung, Erlaubnis oder Absicht in der Vergangenheit anders gewesen wäre.
Typische Aussagen sind zum Beispiel: Jemand hätte helfen können, hätte früher gehen müssen oder hätte länger bleiben dürfen.
Die Struktur
Der Konjunktiv II der Vergangenheit mit einem Modalverb wird so gebildet:
hätte oder hätte + Infinitiv des Vollverbs + Infinitiv des Modalverbs
In der Praxis lautet das Grundmuster:
Ich hätte arbeiten müssen.
Man spricht vom Doppelinfinitiv, weil sowohl das Vollverb als auch das Modalverb am Satzende im Infinitiv stehen.
Beispiele mit den Modalverben
müssen
- Ich hätte arbeiten müssen.
- Wir hätten früher losgehen müssen.
Damit wird ausgedrückt, dass eine Verpflichtung in der Vergangenheit bestanden hätte oder nicht erfüllt wurde.
können
- Ich hätte dir helfen können.
- Er hätte kommen können.
Diese Form beschreibt eine vergangene Möglichkeit, die bestanden hätte.
sollen
- Ich hätte das machen sollen.
- Ihr hättet die Hausaufgaben abgeben sollen.
Ich hätte das machen sollen bedeutet, dass es in der Vergangenheit notwendig oder richtig gewesen wäre, die Handlung auszuführen.
wollen
- Ich hätte dich besuchen wollen.
- Wir hätten nach Berlin fahren wollen.
Mit dieser Form wird eine vergangene Absicht oder ein Wunsch ausgedrückt.
dürfen
- Ich hätte länger bleiben dürfen.
- Sie hätten dort parken dürfen.
Hier geht es um eine Erlaubnis oder Möglichkeit in der Vergangenheit.
mögen
- Ich hätte das Buch lesen mögen.
- Er hätte Pizza essen mögen.
Diese Form drückt einen vergangenen Wunsch oder eine Vorliebe aus.
Verneinung
Bei der Verneinung steht nicht normalerweise vor dem Vollverb. Die Struktur mit dem Doppelinfinitiv bleibt ansonsten unverändert.
- Ich hätte das nicht machen sollen.
- Er hätte nicht kommen können.
- Wir hätten nicht länger bleiben dürfen.
Fragen
In Fragen steht das Hilfsverb hätte am Anfang. Die beiden Infinitive bleiben am Satzende.
- Hättest du mir helfen können?
- Hätten wir das früher machen sollen?
- Hättest du bleiben dürfen?
Häufige Fehler
- Das Modalverb nicht ins Präteritum setzen:
- Falsch: Ich hätte konnte helfen.
- Richtig: Ich hätte helfen können.
- Die Reihenfolge der Infinitive nicht vertauschen:
- Falsch: Ich hätte gekonnt helfen.
- Richtig: Ich hätte helfen können.
- „Sollen“ nicht mit dem Präsens verwechseln:
- Ich hätte das machen sollen. bezieht sich auf eine vergangene Situation.
- Es bedeutet nicht dasselbe wie: Ich soll das machen.
Weitere Beispiele
- Ich hätte dir helfen können.
- Er hätte kommen können.
- Ich hätte das machen sollen.
- Ihr hättet nicht so lange warten sollen.
- Ich hätte arbeiten müssen.
- Wir hätten früher losgehen müssen.
- Ich hätte dich besuchen wollen.
- Wir hätten nach Berlin fahren wollen.
- Ich hätte länger bleiben dürfen.
- Wir hätten nicht zu spät kommen dürfen.
Zusammenfassung
- Die Grundform lautet: hätte oder hätte + Vollverb im Infinitiv + Modalverb im Infinitiv.
- Die beiden Infinitive stehen am Satzende. Deshalb heißt die Konstruktion Doppelinfinitiv.
- Nicht steht normalerweise vor dem Vollverb.
- In Fragen steht hätte am Satzanfang; der Doppelinfinitiv bleibt unverändert.
- Die Konstruktion beschreibt vergangene Möglichkeiten, Verpflichtungen, Erlaubnisse oder Absichten, die anders hätten sein können.
Praktische Schritte zum Üben
- Bestimmen Sie zuerst, welches Modalverb Sie brauchen: müssen, sollen, können, wollen, dürfen oder mögen.
- Setzen Sie hätte in der passenden Person ein: zum Beispiel hätte, hättest, hätten oder hättet.
- Stellen Sie das Vollverb und danach das Modalverb jeweils in den Infinitiv ans Satzende.
- Bei einer Verneinung setzen Sie nicht vor das Vollverb.
- Bei einer Frage setzen Sie hätte an den Satzanfang und lassen die beiden Infinitive am Ende stehen.